Immerhin mal deutlich was zum Thema, Micha. Aber da wir sowieso nichts ändern können, sollten wir vielleicht besser darüber, ob ein Apfel sinnvoller links-oder rechtsherum zu schälen ist.
Natürlich wären viele Menschen froh, wenn sie überhaupt mal in einen Apfel beißen dürften. Ebenso gibt es Menschen, die bei Apfel an die Callgirls der letzten Nacht denken. Und einige wenige pflücken noch wie ehemals Adam und Eva die Äpfel von den Bäumen und essen sie mit Schale.
Beim Grundeinkommen sollte es, meiner Meinung nach, lediglich um die senstverständliche Absicherung jedes Menschen geben, um nicht obdachlos und krank zu werden - wozu auch ein gewisses kulturelles und seelisches begehren abgedeckt sein sollte. Dies nur mal zum Prinzip, wie ich es sehe. Wir werden zum Leben verdammt, ob wir es wollen oder nicht, sind wir erstmal da. Wenn wir Glück haben, haben wir "gute" und wohlhabende Eltern, aber wenn wir Pech haben, haben wir gar nichts - nur Scheiße am Hals. Es sollte in einer Gesellschaft, welche dem christlichen Werteideal frönt und dem Humanismus anhängig ist, selbstverständlich sein, dass alle Mitglieder ausreichend versorgt sind und ein würdevolles Leben führen können.
Dummerweise verhindern liberale und konservative Kräfte die Umsetzung dieser Prinzipien. Das Volk wird ständig belogen. Es ist ein Balanceakt - wie bei einem Karnevalszug werden wir mit Bonbons abgespeißt und dürfen uns freuen. Wahrheit ist längst ein Unwort. Sie wird jeden Tag aufs neue totgequatscht ...
Jeder Politiker, der gegen die Verfassung verstößt und das Volk belügt, sollte einen Stromschlag bekommen. Ich glaube, wir würden einen wild zappelnden Bundestag bei den Debatten erleben.
Alter: 45 Angemeldet seit: 22.11.2006 Beiträge: 3363 Wohnort: Wien
Verfasst am: 25.Jan.10 16:01 Nr: 20611 Titel:
Micha, ich glaube du hast da was falsch verstanden. Grundeinkommen oder Grundsicherung hat nichts mit Umverteilung zu tun. Aber der Reihe nach:
Zitat:
Es wird einem der "Ball" zugespielt (in diesem Fall "Grundversorgung" ) Nun kann sich der geneigte Mensch am Stammtisch ,Forum, oder wo auch immer seine Gedanken darüber machen.
Du meinst also, Frau Merkel & Co. haben das Hirngespinnst "Grundeinkommen" in die Welt gesetzt, damit die Stammtischphilosophen was zu quatschen haben und ihnen nicht fad wird? Opium für das Volk - quatscht euch doch die Köpfe heiß, dann merkt ihr nicht, dass ihr nix zu fressen habt? Oder wie jetzt?
Dein Firmenbeispiel läuft offenbar darauf hinaus, dass eine Grundsicherung solche Firmen entlasten würde, die "Mitarbeiter freisetzen". Warum denn? Lässt sich doch ganz einfach regeln. Falls bisher Firmen bei Massenentlassungen den Mitarbeitern noch eine Weile Lohn zahlen müssen (weiß nicht wie das derzeit geregelt ist), dann könnte man das entweder beibehalten, oder sie müssten statt dessen eben in den allgemeinen Topf einzahlen.
"Eigentum verpflichtet" ist die hehre Einstellung eines paternalistischen Firmengründers. Spielt's heute kaum mehr wo.
Beispiel Diamantenminen: Klassisches Totschlagargument: Seid doch froh, dass ihr in Deutschland krepieren dürft, in Afrika krepiert sich's noch viel ungemütlicher.
Zitat:
WO!? fängt eine Grundversorgung an, und wo hört sie auf?
Dem Grundkonzept nach soll es ein personenbezogenes Einkommen sein, das jedem ohne Ansehen der Person zusteht (allenfalls altersmäßig gestuft) und das die Grundbedürfnisse abdeckt, d.h. Wohnen, Essen, Kleidung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben auf einem (menschenwürdigen) Mindestniveau. Niedrig genug, damit der Anreiz bleibt, dennoch bezahlter Arbeit nachzugehen; hoch genug, damit es möglich ist, davon zu leben, wenn man entweder keine bezahlte Arbeit kriegen kann oder sich gern mit dem Wenigen begnügt.
(Nachlesbar auf den verlinkten Webseiten. Ich hab auch noch bei weitem nicht alles gelesen, aber die Links sind nicht bloß zur Verzierung da, sondern dazu gedacht, dass man sich bei Interesse informieren kann.)
Zitat:
Es soll Menschen geben, die rein garnichts haben, und trotzdem glücklicher sind, als einige andere, die außer Jammern nichts gelernt haben.
Daran wird auch ein Grundeinkommen nichts ändern. Ich glaube kaum, dass Diogenes ein Problem damit hätte. Es steht ja jedem frei, das was er nicht braucht zu verschenken. Und falls du nun einwenden willst: An wen denn, wenn es keine Bedürftigen mehr gibt, dann halte ich dagegen: Projekte, die Geld benötigen, wird es immer geben, selbst wenn jeder Mensch auf der Welt ein gesichertes Grundeinkommen haben sollte.
"Wahre Zufriedenheit kommt von innen" halte ich in diesem Zusammenhang für übelsten Zynismus.
Irgendwie werd ich aus dem was du schreibst nicht schlau. Zum Teil klingt es nach beinhartem Wirtschaftsliberalismus nach US-Manier, wobei du die Tellerwäscherlegende halt umkehrst: Ich war mal Millionär, heute bin ich Tellerwäscher und glücklich dabei. Oder so.
Zum Teil klingt es nach der Neidermentalität von Stammtischbrüdern, die jeden Samstag beim fünften Bier in schöner Eintracht über die viel zu hohen Managergehälter schimpfen.
Und zum Teil klingt es so, als hätte dich Papst Benedikt höchstpersönlich engagiert, um deinen Mitbrüdern und -schwestern endlich wieder wahre christliche Werte beizubringen.
Wenn ich polemisch werden wollte, würd ich sagen: Alles in allem klingt es nach jemandem, der sich wahnsinnig gern reden hört bzw. schreiben liest, auch wenn ihn das Thema einen Scheißdreck interessiert ... aber ich will ja nicht polemisch werden. _________________ Das Eigentümliche bei Adorno ist, dass man nie recht weiß, was er eigentlich will.
(Hanns Eisler)
Beim Grundeinkommen sollte es, meiner Meinung nach, lediglich um die senstverständliche Absicherung jedes Menschen geben, um nicht obdachlos und krank zu werden -
Dazu muß ich nichts sagen, weil "deckungsgleich"...
Zitat:
wozu auch ein gewisses kulturelles und seelisches begehren abgedeckt sein sollte.
Hier wird es schon wieder "kniffliger" ...
Für Milliarden "Kulturpaläste" aus dem Boden stampfen, dann noch für die begehrenden Freifahrtsscheine ausstellen... und woanders verhungern die Kinder ??
Also, das kann es ja auch nicht sein.
Zitat:
Dummerweise verhindern liberale und konservative Kräfte die Umsetzung dieser Prinzipien. Das Volk wird ständig belogen.
Von den oben genannten, verhindert hier eigentlich keiner was.
Das Volk wird auch nicht belogen.
Das Volk weiß sehrwohl, was nach der Wahl folgt (egal was einem erzählt wird), somit belügt sich das Volk einfach mal selbst...
(Man muß nicht mit 180km/h gegen einen Brückenpfeiler brettern, um festzustellen, das es weh tut, [das weiß man vorher] , aber trotzdem tun es die Leute) .. na ja, und so wählen sie dann auch.
Allerdings, weiß eigentlich auch jeder, das egal was gewählt wird, sich nichts ändert.
Aktuell gibts in den Staaten einen Präsidenten, den viele für was besonderes gehalten haben...
Nach 1 jähriger Amtszeit, ist so gut wie nichts passiert, irgendwie garnichts.
Und woran liegt das ?
Das liegt ganz einfach daran, das ALLE Politiker einfach nur Marionetten sind, die lediglich zu unserer Untehaltung/Ablenkung dienen.
Davon abgesehen, das ich die Grundversorgung, (zumindestens hier für ausreichend halte) [Ausreichend heißt Ausreichend] , halte, stellt sich jetzt die Frage:
WER? hat wo die Fäden in der Hand ? .. und dazu kann ich nur sagen:
"Is mir recht egal" .. solange die glauben, das ich nach ihren Regeln tanze, tanze ich denen auf der Nase rum.
Im Privaten kleinen Weltenreich von Micha funktioniert das prima.
Die Spielregeln, sind für alle gleich... der eine beherrscht sie besser, der andere schlechter.
Ist das Glas nun Halbvoll, oder Halbleer? Wie auch immer, solange was drin ist, ......reichts.
Wie auch immer:
Hin oder her...
Grundversorgung 100% Ja
Aber wirklich mal nur soviel, wie man zum Leben braucht, und das bitte für Alle
Woanders biete ich als Jahresprämie eine Rolex an (Erbstück) Handy hätte ich auch noch 1 zuviel (habe festgestellt, das ich mit dem Sony-Ericson mit Kamera) genauso erreichbar bin, wie mit meinem 5!€ teuren *wasweißich* Handy inklusive 5€ Startguthaben.
Nebenbei weiß ich auch noch, das ich mit dem Rechner vor dem ich grade sitze, in den nächsten Jahren noch eine Maximale beschleunigung erfahren werde, die sich im Millisekundenbereich dramatisch auf meine Lebensgewohnheiten auswirken wird.
Der ist jetzt schon so schnell, das er nichtmehr hinter sich selbst herkommt, ich aber immer noch Stunden für so ein Posting brauche,...
Ein Posting, das wie alle, zwar dazu dient, seine Meinung kund zu tun, aber letztendlich nichts zur Weltverbesserung beitragen wird.
Papier, in diesem Fall Speicherplatz, ist geduldig ....
Langes schreiben, wenig Sinn
Hätte mir in der Zeit auch Spaghetti machen können... und darüber ein rohes Ei kloppen....
Aus Zeitgründen bin ich mal wieder ein wenig sparsamer.....
Zitat:
Du meinst also, Frau Merkel & Co. haben das Hirngespinnst "Grundeinkommen" in die Welt gesetzt, damit die Stammtischphilosophen was zu quatschen haben und ihnen nicht fad wird? Opium für das Volk - quatscht euch doch die Köpfe heiß, dann merkt ihr nicht, dass ihr nix zu fressen habt? Oder wie jetzt?
Ganz so einfach ist es nicht, hat allerdings was für sich.
Zitat:
Dein Firmenbeispiel läuft offenbar darauf hinaus, dass eine Grundsicherung solche Firmen entlasten würde,
Meine "Forderung" besteht darin, das die Firma weiterhin alles bezahlt
"Eigentum verpflichtet" steht irgendwo im Grundgesetz, (das das jetzt durch EU Gesetz ausser Kraft gesetzt wird, ist ein anderes Thema.)
Das war was, wo man in seiner Jugend bei Hausbesetzungen noch drauf gepocht hat (auch wenn es nicht geholfen hat; aber auch dies ist ein eigenes Thema)
Zitat:
Beispiel Diamantenminen: Klassisches Totschlagargument: Seid doch froh, dass ihr in Deutschland krepieren dürft, in Afrika krepiert sich's noch viel ungemütlicher.
A: Es MUß hier keiner krepieren... das "Soziale Netz" (wenn man den Löcherteppich denn noch so bezeichnen darf), funktioniert immer noch so weit, das keiner krepieren muß
Zitat:
Dem Grundkonzept nach soll es ein personenbezogenes Einkommen sein, das jedem ohne Ansehen der Person zusteht (allenfalls altersmäßig gestuft) und das die Grundbedürfnisse abdeckt, d.h. Wohnen, Essen, Kleidung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben auf einem (menschenwürdigen) Mindestniveau. Niedrig genug, damit der Anreiz bleibt, dennoch bezahlter Arbeit nachzugehen; hoch genug, damit es möglich ist, davon zu leben, wenn man entweder keine bezahlte Arbeit kriegen kann oder sich gern mit dem Wenigen begnügt.
Das ist ja auf Anhieb alles schön und gut, aber wer soll darüber entscheiden, wo nun das eine Anfängt, das andere aufhört. ??
Und was heißt "gesellschaftliches Leben" ? Ein Lagerfeuer, paar Urwaldtrommeln, sollten da ja durchaus reichen.
( Mir fällt grade nur so ein: Irgendjemand schrieb was über Perspektiven und Sichtweiten o.s.ä. )
Könnten ja grade mal aus der Sicht eines Haitianers drüber nachdenken..... Ich glaube kaum, das der noch eine Notwendigkeit darin erkennt, das unsereins mit Zentralheizung an seinem Schicksal wirklich teilnimmt.
Irgendwo, kommen doch nur "Blubberblasen" :" Brot für die Welt, aber die Wurst bleibt hier!"
Zitat:
"Wahre Zufriedenheit kommt von innen" halte ich in diesem Zusammenhang für übelsten Zynismus.
Als zwiespältige Erkenntnis, kann man es durchaus betrachten; Zynismus dessen ich mich gerne bediene; ist hier allerdings eine Fehlinterpretation.
Es gibt Kinder, die Springen in einen Fluß voller Krokodile, und essen das was die Natur hergibt.... dennoch sind sie glücklich...
WO kommt denn das Glück her ? Auf alle fälle nicht von irgendwelchen Bankkonten und SupermarktssonderPCverkauf.
Zitat:
Irgendwie werd ich aus dem was du schreibst nicht schlau. Zum Teil klingt es nach beinhartem Wirtschaftsliberalismus nach US-Manier, wobei du die Tellerwäscherlegende halt umkehrst: Ich war mal Millionär, heute bin ich Tellerwäscher und glücklich dabei. Oder so.
Im Einzelnen:
Zitat:
Irgendwie werd ich aus dem was du schreibst nicht schlau.
Das ehrt dich... wenn es nämlic (wer nämlic mit h schreibt ist selber dämlich) jeder auf Anhieb kapieren würde, hätten wir heutzutage nicht diese Probleme. (Aber da dieser Planet eh nur aus "Telefondesinfizierern, Friseuren und Bankkaufleuten" besteht, und das Endergebnis 9x6 Lautet, kann man getrost den Lebensrest auch völlig unbedarft überstehen)
Zitat:
Zum Teil klingt es nach beinhartem Wirtschaftsliberalismus nach US-Manier,
Keine Ahnung was du unter US Wirtschaftsliberalismus verstehst... (Ich garnix) ...
Müßte man sich mal zusammensetzen, und erst mal eine Grundsatzdiskussion über die "Elendigen" führen.
Bis zum Ende, sollte man aber die zusammengewürfelte Bevölkerung wieder dahin schicken, wo sie herkommen, und den Indianern wieder ihr Land zurückgeben.
Zitat:
Zum Teil klingt es nach der Neidermentalität von Stammtischbrüdern, die jeden Samstag beim fünften Bier in schöner Eintracht über die viel zu hohen Managergehälter schimpfen.
Verträgt sich nicht mit meinem Momentane Lebensstandart..
Ich fluche immer noch über das "zuviel" was ich vor der Nase habe.. (Soviel sei gesagt: Der 260 PS Klumpen vor der Haustür muß nicht sein, mir reicht mein alter VW-Bus) allerdings, gibt es jemanden, den es mehr als stört, wenn ich die Scheißrennschüssel verschrotten will. (Im übrigen noch nichtmal abbezahlt.)
(Ach, hätte noch ein Nike Sweatshirt, also so eine Jacke mit Känguruhtaschen und Kapuze (In Oliv) Noch fast Originalverpackt, und nie Getragen.)
[Für den Preis, kann ich mir 5 andere kaufen] (Kommt davon , wenn einem keiner zuhört) [ Ich sage: Ich will so einen Scheiß nicht, und jemand anderes meint, mir trotzdem mit aller Gewalt einen "gefallen" tun zu wollen]
Zitat:
Und zum Teil klingt es so, als hätte dich Papst Benedikt höchstpersönlich engagiert, um deinen Mitbrüdern und -schwestern endlich wieder wahre christliche Werte beizubringen.
Davon ab, das du grade selbst an einem Scheunentor völlig vorbeigefetzt bist...
Was hat Christlich mit Werten zu tun ?....
Es sei denn, und das gäbe mir mal kurz zu denken...
man schmeiße Adolf und den Papst in einen Sack, (wo sie auch reingehören)
Wer DA jetzt noch "Werte" findet, der darf sie sich gerne im Klo an die Wand nageln....
P.S.
Mein Zeitlimit für heute wieder überschritten...
Drum ist jetzt Schluß
Bis denne dann
liebe Grüße
Micha
P.P.S.
Wenn die Polemik um sich greifen sollte, dann empfehle ich hier die Löschtaste für User, oder ein dickeres Fell..
Alter: 45 Angemeldet seit: 22.11.2006 Beiträge: 3363 Wohnort: Wien
Verfasst am: 25.Jan.10 19:33 Nr: 20622 Titel:
Es ist mir ehrlich gesagt schnurzpiepegal, wieviele Porsches du vor der Haustür stehen hast und ob du sie alle brauchst oder vielleich doch drei davon günstig an bedürftige Teilzeitmanager abzugeben hättest, weil ein Reserveporsche ja genügt, zumal du ja zur Not auch noch die Limousine mit Chauffeur verwenden kannst, falls mal beide in Reparatur sein sollten.
Und es ist mir ebenfalls schnurz, ob nun diese Story erstunken und erlogen ist oder die zu Tränen rührende Story vom einstigen Spitzenverdiener, der aus verzweifelter Armut seinem Hund die Wurscht aus dem Straßenstaub wegfrisst, oder auch keine davon oder beide.
Zitat:
"Eigentum verpflichtet" steht irgendwo im Grundgesetz,
Echt? Zitat, bitte.
Zitat:
Das war was, wo man in seiner Jugend bei Hausbesetzungen noch drauf gepocht hat
Das glaub ich auch schon mal eher, dass das in den verko(r)ksten Hirnen wohlstandsverwahrloster jugendlicher "Hausbesetzer" gewachsen sein dürfte. Wer ist übrigens "man"? Ich für meinen Teil bin nämlich nicht in dieser Szene neureicher Wohlstandskiddies großgeworden, kann also nicht mitreden.
Zitat:
Ich fluche immer noch über das "zuviel" was ich vor der Nase habe..
Vor oder in der Nase?
Man muss nicht jede Straße nehmen, die einem Gott auf dem silbernen Tablett serviert. (Alte indianische Weißheit.) _________________ Das Eigentümliche bei Adorno ist, dass man nie recht weiß, was er eigentlich will.
(Hanns Eisler)
micha, ich weiß nicht, ob du kapiert hast, worum es bei einem grundeinkommen geht - jedenfalls, was ich (vielleicht auch melusine) mir grob darunter vorstelle.
1) eine lebenslange, bedingungslose 2)* absicherung, d.h. eine definierte übernahme von miete und und lebensunterhaltungskosten. jeder bekommt sozusagen den "sozialhilfesatz", egal ob er arbeitet oder nicht. darin wäre auch die grundrente enthalten, bzw. man benötigte dann nicht mehr eine gesetzliche rente. es stünde jedem frei, sich durch seine dazuverdienste privat zu versichern.
2) ein grundeinkommen muß bedingungslos gewährt werden, muß also nicht beantragt werden. jeder mensch erhält ein festes grundeinkommen, welches mit der inflation anwächst. ein unwürdiges erbitten von sozialleistungen würde wegfallen.
3) die höhe des grundeinkommens sollte nicht "zum sterben zu viel und zum leben zu wenig" bedeuten. aber natürlich können durch das grundeinkommen auch keine luxus-wünsche eines menschen abgedeckt werden. es sollte für unabhängige sachverständige bzw. sozialwissenschaftler keine unlösbare aufgabe darstellen, ein konzept sowie die höhe des grundeinkommens sinnvoll anzulegen.
4) ein grundeinkommen soll nicht der faulheit und verwahrlosung vorschub leisten, aber es soll menschen von druck z.b. durch ausbeutende arbeitgeber entlasten. "arbeit macht frei" stand damals zynisch über den konzentrationslagern des 3. reiches. mit der einführung eines allgemeinen grundeinkommens würde arbeit wirklich frei machen!
5) es gäbe keine sozialschmarotzer mehr. man könnte sich über das sozialamt nichts mehr ergaunern. all diese leidigen diskussionen über sozialschmarotzertum, die seit jahren bis zum erbrechen über die mattscheibe flimmern, würden entfallen. das würde platz für andere wichtige gesellschaftliche themen machen.
6) die einführung eines grundeinkommens wird nicht am reichtum einzelner rütteln - es wird aber "armut" abschaffen. armut gäbe es nicht in unserer gesellschaft wird nicht selten behauptet - aber ich weiß aus eigener erfahrung, dass dies nicht stimmt. es ist richtig, dass niemand verhungert. aber es gibt nicht wenige menschen, die ungewollt auf der straße landen, oder in sehr unwürdigen wohnverhältnissen leben müssen. armut bedeutet in unserer gesellschaft ein schattendasein - viele sozialhilfeempfänger fühlen sich ausgeschlossen und abhängig von almosen des staates. durch ein bedingungsloses grundeinkommen in ausreichender höhe ist der mensch weitgehendst von diesen zukunfts- und existenzängsten befreit.
7) arbeitslosigkeit wird nicht mehr hauptgegenstand politischer auseinandersetzungen sein. eine vollbeschäftigung wird es in zukunft sehr wahrscheinlich nicht mehr geben - wenn durch ein grundeinkommen die menschen sozial abgesichert sind, sind arbeitlosenzahlen nur noch sekundär wichtig. womit wir heute die sozialleistungen, rente und das arbeitslosengeld finanzieren, fließt dann in den geldtopf für das grundeinkommen. ein minister für arbeit würde überflüssig.
die einführung eines grundeinkommens wird die bürokratie um einiges entschlacken.
9) das grundeinkommen macht die gesellschaft gerechter. das soziale netz wird mit einem tuch ausgetauscht, welches jeden selbstverständlich auffängt.
10) ausbeutung und modernem sklaventum (siehe z.b. leiharbeit) durch arbeitgeber wird der boden unter den füßen weggezogen. die politik könnte unabhängiger von der wirtschaft agieren.
dies mal im wesentlichen die punkte, welche ich mir von einem grundeinkommen erhoffte.
mit stammtisch hat das gar nichts zu tun. und wenn die leute am stammtisch drüber reden - auch gut. ich bezweifle dies aber. die leute, die ich in kneipen sitzen sehe, diskutieren aufmacher der bildzeitung u.ä.
utopisch ist der gedanke des grundeinkommens nur, weil: was der bauer nicht kennt, frißt er nicht ...
unser staat ist immer noch relativ konservativ und starr, was gesellschaftumwälzende projekte angeht.
anders als hartz IV würde ein grundeinkommen aber wirklich für den gesellschaftlichen frieden voran bringen.
Alter: 45 Angemeldet seit: 22.11.2006 Beiträge: 3363 Wohnort: Wien
Verfasst am: 26.Jan.10 15:20 Nr: 20633 Titel:
Schön auf den Punkt gebracht - danke! Stimme dir in vollem Umfang zu.
Oh und - das Bild vom "sozialen Tuch" statt eines Netzes, durch dessen Maschen immer mehr Bedürftige durchrutschen, gefällt mir.
Bei einigen deiner Punkte wird mir jetzt aber auch klarer, dass und warum du vermutlich recht hast, wenn du sagst, dass Grundeinkommen und Kapitalismus sich beißen. Und was ich gestern in den Nachrichten gehört hab geht ja wohl eher in die gegenteilige Richtung, wenn nun Millionäre und Mindestverdiener in schöner Eintracht mit 8 Euro monatlich pro Kopf die maroden Krankenkassen sanieren sollen...
/edit:
... wobei ich mal "unterstelle", dass denen, die sich das so schlau ausgedacht haben, die Tragweite überhaupt nicht bewusst ist. Wegen "läppischer" 8 Euro muss man doch auf nichts verzichten. Wenn aber doch - die Deutschen sind eh zu fett. Ein Fasttag pro Woche wird den Jammerlappen nicht schaden. _________________ Das Eigentümliche bei Adorno ist, dass man nie recht weiß, was er eigentlich will.
(Hanns Eisler)
da bin ich jetzt gar nicht auf der höhe der zeit. ich weiß zwar, dass die krankenkassen wahrscheinlich nacheinander mal wieder die beiträge erhöhen werden ..., aber genaues weiß ich nicht.
das grundeinkommen würde den kapitlastischen kräften macht entziehen - das ist der punkt. es würde ein entscheidender hebel wegfallen, um politik und bevölkerung unter druck zu setzen.
Alter: 45 Angemeldet seit: 22.11.2006 Beiträge: 3363 Wohnort: Wien
Verfasst am: 26.Jan.10 16:33 Nr: 20635 Titel:
Zitat:
das grundeinkommen würde den kapitlastischen kräften macht entziehen - das ist der punkt. es würde ein entscheidender hebel wegfallen, um politik und bevölkerung unter druck zu setzen.
Ja, deshalb wird es vermutlich schwierig, sowas durchzusetzen. Mal sehen.
Das mit den Krankenkassenbeiträgen sah ich gestern oder genauer letzte Nacht in den ARD-Nachrichten. Zufall. Bin sonst auch nicht so "am Puls der Zeit". In Kürze werden es die Spatzen von den Dächern pfeifen. _________________ Das Eigentümliche bei Adorno ist, dass man nie recht weiß, was er eigentlich will.
(Hanns Eisler)
der gesundheitsfinanzierungsproblematik wird man per grundeinkommen nicht beikommen. auch in diesem bereich wird bereits seit jahren eifrig in politik und gesellschaft diskutiert, nur wirklich was zufriedenstellendes ist nicht auf die wege gebracht worden. auch auf diesem feld geht es um z.b. kapitalistische interessen der medizin- und pharmaindustrie. wenn ich gerade mal dran denke, wie teuer die fuck medikamente und hilfsmittel sind, die unsere altenbewohner bekommen. dadurch, dass heilmittel meist nicht in vollem umfang vom verbraucher bezahlt werden müssen, findet eine wahnsinnige preistreiberei nach oben statt. letztendlich zahlt das ganze natürlich der verbraucher auf dem umweg über die steuern.
verarsche allerorts.
die gesundheitskassen machen irgendwo zwischendrin auch noch ihren reibach - was ich sowieso nicht verstehe. wir brauchen doch diese kassen gar nicht. da ist in meinen augen nur ein absahner mehr am werke - wie bei anderen versicherungen auch. oder nehmen wir die banken. ich persönlich brauche keine bank, die mit meinem sauer verdienten geld privatwirtschaftlich arbeitet. das ganze finanzsystem ist doch inzwischen total komplex und undurchschaubar - und deswegen können sich viele der verantwortlichen (der finanzkrise) davonstehlen, weil kein schwanz von alldem differenziert eine ahnung hat. man wird nur mit den kack-ergebnissen konfrontiert.
es ist ähnlich wie mit dem internet und dem ganzen computer-markt. ein paar wenige haben das wissen und die macht - warum auch immer. die große mehrheit wird nach deren vorstellungen vorgeführt.
mit dem grundeinkommen könnten wir vieles einfach durchschaubarer für alle machen. die verhältnisse wären geregelter. viel bürokratischer hickhack bliebe uns erspart.
aber dummerweise fehlt die lobby wirtschaftlich wie politisch, um dieses ziel möglichst bald umzusetzen.
Im kleinen Ort Quantiga Velho ausserhalb von Sao Paulo, Brasilien, können alle Bewohner seit über einem Jahr ein bedingungsloses Grundeinkommen in Anspruch nehmen. Finanziert wird es zum grössten Teil durch die Mitglieder des Vereins ReCivitas, einem Verein zur Wiederbelebung der Zivilgesellschaft.
Alter: 45 Angemeldet seit: 22.11.2006 Beiträge: 3363 Wohnort: Wien
Verfasst am: 05.Feb.10 21:43 Nr: 20743 Titel:
Ist es ja auch nicht. In Deutschland soll ebenfalls binnen Kürze ein Feldversuch starten. Steht irgendwo unter einem meiner eingangs zitierten Links zu lesen. Bei Interesse such ich den konkreten Beitrag raus und poste den Link extra.
Portugiesisch kann ich nicht. Den deutschsprachigen Link werd ich mir mal angucken. Danke! _________________ Das Eigentümliche bei Adorno ist, dass man nie recht weiß, was er eigentlich will.
(Hanns Eisler)
das bedingungslose grundeinkommen ist ein tabu in unserer gesellschaft. es ist eine zukunftsvision wie auf den mars fliegen. hoppla, wir werden wohl auf den mars fliegen in ein paar jahren. perry rhodan wird ein stück wirklicher. die gesellschaft verändert sich. die distanzen werden überbrückbarer. aber was bringt und ein marsflug, was bringt uns ein grundeinkommen, wenn die gesellschaftliche atmosphäre selbst keine andere wird - ich meine eine menschlichere, wo die herzen die tendenzen bestimmen und nicht unsere inneren dämonen. eine bessere welt ist keine welt ohne schlechtigkeit. eine bessere welt ist eine welt, die sich bemüht, besser, aufrichtiger, umweltbewußter und sozialer zu sein. dieses bemühen darf keine farce sein - sondern benötigt beweise des aufrichtigen bemühens. leider lassen dies die gegenwärtigen politikerklassen und mächtigen vermissen. jedenfalls kommt davon nichts rüber.
dies ist, was mich an der durchsetzbarkeit eines grundeinkommens zweifeln läßt. mittel verändern nur kurz- bis mittelfristig das denken der menschen. es ist mit der gesellschaft ähnlich wie mit einem individium - die erkenntnis ist ein langer prozeß; obwohl man lange vorher bereits um die notwendigkeit vernünftigen handelns weiß, fehlt die reife und weisheit, nachhaltige konsequenzen für sich zu ziehen.
also bemühen wir uns. oder wir heucheln bemühen. momentan wird mehr bemühen geheuchelt. allerorts.
wir sind, glaube ich, noch lange nicht reif für gesellschaftlich einschneidende maßnahmen wie das bedingungslose grundeinkommen.
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