| Bibelzitate des Tages :: PIRATEN zur Wahl! |
| Autor |
Nachricht |
Melusine

Alter: 45 Angemeldet seit: 22.11.2006 Beiträge: 3355 
Wohnort: Wien
|
Verfasst am: 14.Okt.07 21:05 Nr: 8843 Titel: Den Herbst verdichten - ein Gedichtethread zum Mitmachen |
|
|
Den Herbst verdichten
Hier sind Auszüge aus einem etwa ein Jahr alten Thread, den ich mal in einem gewissen grünen Forum startete. Mit freundlicher Genehmigung der Autorinnen und Autoren gebe ich sie hier wieder und lade euch im Anschluss daran herzlich dazu ein, selber eure Gedichte einzustellen. Oder auch kurze Prosatexte, wenn ihr mögt. Beiträge von Gästen sind willkommen, Kommentare dürfen gern zwischendurch eingestreut werden.
[Melusine] am 21. 10. 2006 23:38
schamlos bunt
nennt der Wintermaler
seine Herbstsymphonie
in Sepia
Künstler sind seltsam
bisweilen
[NewDawnK] am 23. 10. 2006 14:11
und wieder übertönen
warme Kürbisfarben
das hohe Grau
der Wolkenwände
und wieder treibt der Wind
mit Sturmgetöse
verwelktes Blätterbunt
zur Stadt hinaus
und wieder sinkt die Zeit
zurück in stille Tiefen
bis eines Tags
die Luft vor Kälte klirrt
[» bonanza] am 23. 10. 2006 14:35
wie man ein herbstgedicht nicht schreibt
herbst.
wieder mal scheisse.
das jahr wird bald enden.
wieder ein jahr. ich sehe es an den bäumen.
baumeln.
das sollte ein gag sein.
alles fällt mal ab.
rostige papiertüten im oktober
durch strassenschluchten segeln
an deren ende die aufpolierten
zähne der herbstmesse blinken.
schausteller
ficken
entfliehen finsteren blicken
aus dachmansarden
die stadt würgt heisse würstchen
in maronendampf
fette künstler sehen plötzlich erotisch aus.
und pfützen sind mehr als pfützen.
gleich steige ich in die strassenbahn
im technobeat der untergehenden sonne.
tschüss, ihr wichser,
es ist herbst.
[Melusine] am 23. 10. 2006 15:14
Straßenbahnen fallen
aus fast schon kahlem
Hausdachgeäst
bilden herbstlich heiße Asphaltpfützen
in denen Morgenfrostspinnen
knisternde Netze weben
[» erbsenrot] am 24. 10. 2006 22:12
An einem Baum ein einzig Blatt,
vergessen wards vom Wind.
Es fühlte sich betrübt und arm,
wie ein verlassnes Kind.
„Das ist doch nicht normal“ so sprachs
„Ich sollte unten sein
verwehen und vergehen -
muss in den Kreislauf rein“.
Und mutig nahm es Anlauf,
es sprang vom Ast zur Erde
und faulte und zerfiel zu Staub -
auf dass es Humus werde...
[» bonanza] am 25. 10. 2006 14:05
der schmutz der jahre
der herbst ist das fäkale.
der winter weisses klo.
der frühling bringt das
sakrale.
im sommer ist das leben
froh.
nun winken wir den lieben
in sechs jahren waren`s
sieben
hinterher.
war da mal wer?
[NewDawnK] am 06. 11. 2006 18:59
die grauen Tage wiegen schwer
wie Sommervögel
an raureifweißen Blüten
wie Falter die dem
Kältetod entkommen
in seidenfeinen Spinnennetzen
die grauen Tage wiegen schwer
in einer Hand
voll flügellahmer Hoffnung
zu schwer das Leben zu erinnern
leicht genug für einen Tod
|
|
| Nach oben |
|
 |
NDK
Angemeldet seit: 22.11.2006 Beiträge: 677 
|
Verfasst am: 15.Okt.07 13:49 Nr: 8858 Titel: |
|
|
november -
licht wie von fern
wolken die in bäumen nisten
vogelnester ausradiert
im nebel
obdachlos
die zeit
und ich
in mich gekehrt
als wollten alle wege in mir enden.
(31.07.2007) _________________ Die Menschheit lässt sich keinen Irrtum nehmen, der ihr nützt.
(Christian Friedrich Hebbel) |
|
| Nach oben |
|
 |
Melusine

Alter: 45 Angemeldet seit: 22.11.2006 Beiträge: 3355 
Wohnort: Wien
|
Verfasst am: 15.Okt.07 17:33 Nr: 8859 Titel: |
|
|
heckenrosig
einen herbstmorgen lang
nebel leben
(Oktober 2006) _________________ Das Eigentümliche bei Adorno ist, dass man nie recht weiß, was er eigentlich will.
(Hanns Eisler) |
|
| Nach oben |
|
 |
Melusine

Alter: 45 Angemeldet seit: 22.11.2006 Beiträge: 3355 
Wohnort: Wien
|
Verfasst am: 26.Okt.07 12:46 Nr: 9027 Titel: |
|
|
verblüht die zartblauen glocken
blumen des sommers
blutrote blüten
blätter auf herbstlaub
dornige hecken
rosen und hagebutten
morgen
tau in spinnweben
und die letzten weinbeeren
reif
(Oktober 2006) _________________ Das Eigentümliche bei Adorno ist, dass man nie recht weiß, was er eigentlich will.
(Hanns Eisler) |
|
| Nach oben |
|
 |
NDK
Angemeldet seit: 22.11.2006 Beiträge: 677 
|
Verfasst am: 26.Okt.07 19:04 Nr: 9031 Titel: |
|
|
nebelverhangene fenster
nach norden
in die stille
geht der sommer
der herbst bleibt
noch ein weilchen
in prächtigen gewändern
blühen letzte dahlien
über den gartenzaun
es wird kalt werden,
wenn die warmen farben
verblassen. _________________ Die Menschheit lässt sich keinen Irrtum nehmen, der ihr nützt.
(Christian Friedrich Hebbel) |
|
| Nach oben |
|
 |
Amaretta

Angemeldet seit: 03.12.2006 Beiträge: 174 
Wohnort: Bayern
|
Verfasst am: 30.Okt.07 18:54 Nr: 9067 Titel: Windspiele |
|
|
Wind
trägt Drachen
spielt mit ihm
jagt ihn am Himmel
zickzack _________________ Vor dem Aufstehen sehe ich mir am Ähnlichsten |
|
| Nach oben |
|
 |
xund

Angemeldet seit: 22.11.2006 Beiträge: 190 
Wohnort: Wädi
|
Verfasst am: 30.Okt.07 22:08 Nr: 9068 Titel: |
|
|
ahh!
so ist es!
genau so!
 |
|
| Nach oben |
|
 |
Amaretta

Angemeldet seit: 03.12.2006 Beiträge: 174 
Wohnort: Bayern
|
Verfasst am: 30.Okt.07 22:56 Nr: 9069 Titel: na wenn schon |
|
|
Der Sommer kann dies Jahr nicht mehr kommen
er ist längst vorbei
die Farben der Blumen ganz verschwommen
anders als im Mai
jetzt fühl ich`s auch, es ist schon Herbst
auch du kommst nicht mehr und schwörst mir Treue
na wenn schon
wenn du nicht kommst, der Sommer bleibt mir treu
der kommt auf`s Neue _________________ Vor dem Aufstehen sehe ich mir am Ähnlichsten
Zuletzt bearbeitet von Amaretta am 31.Okt.07 08:55, insgesamt 2-mal bearbeitet |
|
| Nach oben |
|
 |
Melusine

Alter: 45 Angemeldet seit: 22.11.2006 Beiträge: 3355 
Wohnort: Wien
|
Verfasst am: 31.Okt.07 16:53 Nr: 9074 Titel: |
|
|
der Herbst malt sich bunt
damit seine tintenschwarze Melancholie
ihn nicht vorzeitig frisst
(Oktober 2006) _________________ Das Eigentümliche bei Adorno ist, dass man nie recht weiß, was er eigentlich will.
(Hanns Eisler) |
|
| Nach oben |
|
 |
erbsenrot Gast
|
Verfasst am: 01.Nov.07 15:10 Nr: 9076 Titel: Überwintern |
|
|
Die Gartenhortensien
glühen warm
im letzten Farbenrot
Wehmütig
schneide ich sie ab
damit sie
meinem Winter
Licht
geben |
|
| Nach oben |
|
 |
NDK
Angemeldet seit: 22.11.2006 Beiträge: 677 
|
Verfasst am: 07.Nov.07 10:13 Nr: 9159 Titel: |
|
|
Ein Jahr geht nicht auf leise Weise -
in Straßenschluchten haust der Wind,
zeigt Herbst für Herbst vor Schluss der Reise
wie unwägbar die Wege sind. _________________ Die Menschheit lässt sich keinen Irrtum nehmen, der ihr nützt.
(Christian Friedrich Hebbel) |
|
| Nach oben |
|
 |
Mentzel

Angemeldet seit: 25.11.2006 Beiträge: 151 
Wohnort: mitten in Deutschland
|
Verfasst am: 07.Nov.07 15:58 Nr: 9165 Titel: |
|
|
(gelöscht) _________________ http://thomasmentzel.blogspot.com/
Ratschläge? Deinen Rat nehme ich gerne, die Schläge kannst Du behalten! |
|
| Nach oben |
|
 |
Minouche
Angemeldet seit: 17.06.2007 Beiträge: 203 
Wohnort: Bielefeld
|
Verfasst am: 27.Nov.07 00:38 Nr: 9578 Titel: |
|
|
Sterben vor der Zeit
der langes Sehnen innewohnt
kein Grau
in bunten Blättern
voll von Farben
Schnee noch ungeboren
Weiß auf Dächern
Rauhreif friert die Hände
weißt die Gesichter
macht die vollen Münder klein
Das Licht vergeht und
dunkelgrau verkümmern
Leiber toter Lieben
im roten Schein
der kleinen Kerzen
man denkt
schon an den Glanz
des Festes morgen _________________ If no one's right and no one's wrong
In between this we are learning much about evil
(Lisa Germano, My secret reason) |
|
| Nach oben |
|
 |
NDK
Angemeldet seit: 22.11.2006 Beiträge: 677 
|
Verfasst am: 27.Nov.07 15:05 Nr: 9582 Titel: |
|
|
Sehr bewegend, sehr treffend. Mir fehlen die Worte, liebe Minouche.
Ein großes Gedicht in einem kleinen Forum... _________________ Die Menschheit lässt sich keinen Irrtum nehmen, der ihr nützt.
(Christian Friedrich Hebbel) |
|
| Nach oben |
|
 |
Melusine

Alter: 45 Angemeldet seit: 22.11.2006 Beiträge: 3355 
Wohnort: Wien
|
Verfasst am: 09.Okt.08 11:18 Nr: 14578 Titel: |
|
|
Mal wieder hochholen, das Ding. Auch wenn mir im Moment nix Neues einfällt - ich hab noch das eine oder andere alte Textchen
Du kommst spät,
klagt die Oktoberrose.
Ich bin so müde.
Es war noch nicht Zeit,
flüstert der Novemberwind
und haucht einen letzten Kuss
auf raureifrote
Blütenblattränder.
(Oktober 2006) _________________ Das Eigentümliche bei Adorno ist, dass man nie recht weiß, was er eigentlich will.
(Hanns Eisler) |
|
| Nach oben |
|
 |
|