,Wenn ich mich von ihm schlagen lasse, dann wird er wieder zärtlich zu mir sein.´
Denkt Laura laut, während sie aus dem Fenster auf die Fußgängerzone runterschaut.
Schon lange hat er sie nicht mehr angefasst oder ihr ein liebes Wort gesagt.
Lange her, dass sie in seinen Armen eingeschlafen ist, nach dem er sie leidenschaftlich geliebt hatte.
Sie weiß, dass er trotz seiner Kraft ein zärtlicher Liebhaber ist, mit viel Fantasie und Gefühl.
In diesen Augenblicken war sie immer sehr glücklich mit ihm.
Seit ein paar Wochen schenkt er ihr aber keine Zärtlichkeiten mehr. Jeden Tag kommt er spät Nachmittag nach Hause, setzt sich an den gedeckten Tisch,
schlägt seine Zeitung auf und isst. Er spricht nicht mit ihr und traut sich nicht in ihre Augen zu schauen. Beide sitzen sie am Tisch, er liest seine Zeitung und sie schaut in den Teller mit einem Kopf voller Fragen und Wünschen, die unausgesprochen bleiben.
Wenn er mit dem Essen fertig ist, setzt er sich vor den Fernseher. Bis elf Uhr zappt er sich durch die Programme und geht dann ohne ein Wort zu sagen schlafen.
Laura sehnt sich so sehr nach einer Unterhaltung, einer Berührung, nach dem kuscheligen Einschlafen an seiner Seite, wenn er ihren Körper liebevoll verwöhnt hat.
Sie schließt die Augen und stellt sich seine weichen Augen vor, die sie liebevoll anschauen, seine Hände, die wie aus Samt über ihren Körper gleiten und seine Lippen, die jeden Zentimeter ihres Körpers berühren. Diese Augenblicke vermisst sie sehr.
In diesen schönen Gedanken verloren, schaut sie in die Menge auf der Straße und beobachtet die Menschen in ihren Gewohnheiten. Mit den Augen über die Köpfe der Menschen hinweg gehend erkennt sie ihn plötzlich.
Geschickt zwängt er sich zwischen den Menschen durch ohne sie anzurempeln. Er ist groß und stark, sie würde ihn in jeder Menschenmenge sofort erkennen. Ihren Mann.
Während sie ihn mit ihren Blicken verfolgt, spürt sie, wie ihr Herz anfängt schneller zu schlagen.
Sie mag es, ihn von weitem anzuschauen, wie geschmeidig er sich trotz seiner Größe in der Menschenmenge bewegt und sie freut sich auf ihn, verspürt aber gleichzeitig Angst.
Laura hatte heute kein Essen vorbereitet, stellte kein Bier in den Kühlschrank. Die Tageszeitung
hat sie schon Vormittags in den Abfall geworfen. Den ganzen Tag hat sie sich drauf seelisch vorbereitet, ihn anders zu empfangen als sonst. Es fiel ihr nicht leicht aber sie sah keine andere Möglichkeit.
Sie stand auf und schaute sich nochmals sorgfältig im Wohnzimmer um.
Sie hörte bereits Geräusche an der Tür, als ihr die Fernbedienung des Fernsehers auffiel.
Schnell nahm sie das kleine Kästchen und stopfte es zwischen die Polster des Sofas.
Anschließend lief sie zu ihrem Stuhl am Fenster und setzte sich hin mit dem Rücken zur Tür.
Nach ein paar Sekunden hörte sie wie die Tür zur Küche aufging und die Bodendielen unter seinen schweren Schritten knarrten.
Ihr Blick war auf die Straße gerichtet aber ihre Sinne konzentrierten sich voll auf das Geschehen hinter ihr. Sie hörte wie er stehen blieb. Es war still und sie spürte in ihrem Nacken, wie er sie musternd anschaute.
„Wo ist das Essen, Laura?:“ hörte sie ihn im Hintergrund.
„Wo ist meine Zeitung?“ war seine zweite kurze Frage.
Laura rührte sich nicht von der Stelle. Sie schaute nicht mal auf.
Sie hörte seinen schweren Atem. Er atmete langsam ein und aus und sie stellte sich sein Gesicht vor. Es hatte bestimmt schon strenge Züge angenommen und wurde allmählich rot.
Sie kannte die Verwandlung in seinem Gesicht, wenn er zornig wurde.
Sie hatte es noch im Gedächtnis.
„Bekomme ich endlich eine Antwort?“ hörte Laura seine strenge Stimme.
“Lass mich in Ruhe und mach dir selbst was zum Essen“ sagte sie mit leicht zitternder Stimme.
Er sollte nicht merken, wie groß ihre Angst ist.
„Ich hatte heute keine Lust mich um dein Essen, Zeitung und Bier zu kümmern“: sagte sie und schaute
immer noch aus dem Fester. Es gab da nichts Interessantes zu sehen aber sie hatte Angst in seine Augen zu schauen.
"Bist du schon wieder schlampig, Laura?
Warum machst du das schon wieder, verdammt noch mal.
Du weißt ganz genau, dass ich es nicht ausstehen kann, wenn du dich so respektlos benimmst
Laura, musst du es wieder soweit kommen lassen. Warum provozierst du mich, dass ich nicht anders kann, als......Du benimmst dich wie die letzte Schlampe. Ich hatte recht als ich mich weigerte dich zu schwängern. Ein armes Kind wäre es geworden. Fickt dich selbst, Laura.“
Laura hörte auf zu zittern. Sie konzentrierte sich voll auf die nächsten Minuten, wenn nicht Sekunden, denn es konnte nicht mehr lange dauern, bis bei ihm der Faden riss.
Voll angespannt hörte sie wie er am Tisch vorbei ging und dabei einen oder zwei Stühle umwarf. Sie hörte, wie sie mit Gepolter umkippten. Seine schwere Schritte verstummten hinter ihr.
Sie schloss ihre Augen und wartete. Jetzt war nur sein schwerer Atem zu hören.
Direkt in ihrem Nacken.
„Du willst es nicht anders“: hörte Laura ihn leise hinter sich.
Ein kräftiger Schlag, der sie im Rücken traf, warf sie auf den Boden, so dass sie ihm jetzt ins Gesicht sehen konnte. Es war rot und angeschwollen, seine Augen sahen sie kalt und fremd an.
Der zweite Schlag erreichte sie im Liegen.
Seine große Faust traf sie mitten ins Gesicht, ihr Kopf schlug gegen den Boden.
Benommen kroch sie auf allen vieren in eine Ecke und rollte sich wie eine Katze zusammen.
Er ging ihr langsam nach und als er in ihrer Nähe war, trat er auf sie ein. Sie spürte seine Schuhe auf dem ganzen Körper. Wie von Sinnen trat er auf sie ein. Sie rollte sich noch mehr zusammen, machte sich ganz klein und spannte ihre Muskeln an.
Jeder Tritt brannte Wunden in ihre Seele und verursachte ihr große Schmerzen.
Mit jedem Tritt war sie ihrem Ziel näher. Das Bild von seinen Zärtlichkeiten, seinen Händen, die sie sanft streichelten, seinen Lippen, die sie am ganzen Körper berührten, wurde immer deutlicher vor ihren Augen.
Lauras ganzer Körper brannte wie Feuer, aber rotzdem spürte sie jetzt schon die Wärme in sich, wenn er langsam in sie eindrang und sie leidenschaftlich liebte.
Er trat noch ein paar Mal auf sie ein, aber sie merkte, dass seine Tritte schwächer wurden. Noch eine Weile musste sie die Schmerzen ertragen und dann war sie in ein paar Tagen, die sie brauchte um sich zu erholen, an ihrem Ziel angekommen.
‚Er wird mich wieder lieben.’ denkt Laura in ihren Schmerzen.
Alter: 45 Angemeldet seit: 22.11.2006 Beiträge: 3255 Wohnort: Wien
Verfasst am: 26.Feb.07 23:51 Nr: 5910 Titel:
Hallo animus,
diese Geschichte beeindruckt mich, ich finde, dass du sehr gut eingefangen hast, was diese Frau bewegt. Und zwar denke ich, du hast damit etwas auf den Punkt gebracht, was sich eine Laura in Wirklichkeit selbst nicht eingestehen würde.
Sprachlich wäre da und dort noch das eine oder andere zu korrigieren; wir haben ja einige hier im Forum, die das gut können, z.B. Burana... (huhu Burana, hörst du mich?)
LG Mel _________________ Das Eigentümliche bei Adorno ist, dass man nie recht weiß, was er eigentlich will.
(Hanns Eisler)
hi mel,
danke für deine ausführung und deinen aufruf an burana.
ich schätze burana´s können.
also nur zu, burana!
lg
animus _________________ Die alten Träume waren gute Träume.
Sie gingen nicht in Erfüllung, aber
ich bin froh sie gehabt zu haben.
zum Inhalt: mich beeindruckt das Ausmaß der Abhängigkeit, die Du hier konstruierst.
Kann man sich die Verbindung zwischen zwei Menschen wirklich so schlicht und einfach denken, wie in Deinem Text beschrieben? Für mich bleibt die interessanteste Frage unbeantwortet: Was hindert Deine Protagonistin daran zu gehen? Die Erklärung, die Du lieferst, verliert sich m.M.n. in oberfächlichen Klischees. Das finde ich schade.
Liebe Grüße, NDK _________________ Die Menschheit lässt sich keinen Irrtum nehmen, der ihr nützt.
(Christian Friedrich Hebbel)
auch wenn es für mich (und Dich wahrscheinlich auch, wie ich annehme,)
unverständlich erscheinen mag, aber es gibt Menschen, die lassen sich
lieber ihr Leben lang verprügeln als allein zu sein. So zumindest habe ich
den Charakter der Frau in animus' Geschichte "gelesen".
Da ich selbst diesbezüglich keine Erfahrung habe, würde ich mir auch nicht zutrauen, psychosoziale Zusammenhänge wie diese in meiner Phantasie zu konstruieren. Ein bisschen komplexer stelle ich mir die Wirklichkeit schon vor.
Insofern provoziert mich die Denkweise, die diesem Text zugrunde liegt, das gebe ich gerne zu. Vom schlichten Klischee zum handfesten Vorurteil ist es nie sehr weit.
Aber ich möchte Animus nicht unrecht tun, vielleicht hat er hier seine Berufserfahrung als Psychologe o.ä. verarbeitet. Ich kann mich nur auf den Eindruck beziehen, den der Text auf mich macht.
Was mir übrigens immer wieder auffällt: Literatur, Film und Fernsehen sind voll von einfach konstruierten Beziehungswelten. Wenn man die dort üblichen Schwarz/Weiß-Bilder als Maßstab für das eigene Leben nimmt, kann man eigentlich nur die Bodenhaftung verlieren.
In echten Beziehungen gibt es immer auch Graubereiche. Nicht alles, was zwischen zwei Menschen geschieht, lässt sich erklären. Zeiten vermehrter Distanz sind ebenso normal wie Zeiten der Nähe. Wenn man sich alles viel glatter und abstrakter denkt, wird man langfristig immer auf die Nase fallen, egal mit welchem Partner, es sei denn, man lebt mit einem Roboter zusammen.
Schönen Abend, NDK
P.S. Ich hatte angenommen, in diesem Forum ist den Leser/inne/n erlaubt, eine eigene Meinung zu den veröffentlichten Texten zu haben. Wenn also jemand ein Problem damit hat, sollte er/sie das bitte rechtzeitig mitteilen bevor Missverständnisse entstehen. Danke. _________________ Die Menschheit lässt sich keinen Irrtum nehmen, der ihr nützt.
(Christian Friedrich Hebbel)
wenn ich Dich irgendwie angegriffen haben sollte, dann tut es mir leid.
Das war mit weder bewusst, noch lag es in meiner Absicht.
Animus Text provoziert nicht nur Dich, das versichere ich Dir. Als ich
seine Zeilen las, habe ich mehr als einmal fassungslos mit dem Kopf
schütteln müssen. Ich würde das Gefühl, das die von animus' beschriebene
Frau hat auch keineswegs mit Liebe titulieren - Abhängigkeit, vielleicht
sogar Hörigkeit trifft es da meiner Meinung nach eher.
Weisst Du, es gibt so vieles an und in den Menschen, was ich nicht verstehe,
wohl teilweise auch nicht verstehen will, deswegen kann ich es trotzdem
faszinierend finden - nicht nur im positiven Sinne...
wenn ich Dich irgendwie angegriffen haben sollte, dann tut es mir leid.
Das war mit weder bewusst, noch lag es in meiner Absicht.
Niemandem sollte es leid tun, wenn er seine Meinung schreibt, liebe no-name.
Übrigens ist mir jeder Angriff eine willkommene Gelegenheit etwas über mich zu lernen. Beleidigen kannst Du mich also gar nicht. _________________ Die Menschheit lässt sich keinen Irrtum nehmen, der ihr nützt.
(Christian Friedrich Hebbel)
NDK, ich schrieb "nur", das es mir leid täte, wen ich Dich irgendwie angegriffen hätte.
Ganz sicher habe ich mich nicht für meine Meinung entschuldigt. Das wirst Du auch
niemals nie erleben.
Alter: 45 Angemeldet seit: 22.11.2006 Beiträge: 3255 Wohnort: Wien
Verfasst am: 27.Feb.07 21:12 Nr: 5928 Titel:
@ NDK:
Nein, ich finde nicht, dass animus' Text klischeehaft ist. Für mich ist er nachvollziehbar, wenngleich ich die dahinter stehende Mentalität nicht nachvollziehen kann. Ich kenne zufällig eine - mir sehr nahe stehende - Frau, die alles andere als eine schwache Persönlichkeit ist und dennoch mehrfach Beziehungen zu gewalttätigen Männern hatte. Eine ihrer Grundüberlegungen scheint immer gewesen zu sein: Ich bin selbst schuld, wenn er mich schlägt, ich habe ihn durch meine intellektuelle Überlegenheit gedemütigt. Das sauge ich mir nicht aus dem laienpsychologischen Finger, sondern sie hat es mir ungefähr so gesagt. (M.a.W.: Ihr ist das Problem durchaus bewusst und sie arbeitet daran, trotzdem hat sie es bisher nie geschafft, davon wegzukommen.)
Von mir selbst kenne ich die Überlegung: Ich muss XY nur mal richtig zornig machen, dann reagiert er sich ab und hört hoffentlich endlich wieder auf zu spinnen. XY ist in dem Fall freilich jemand, der nicht zur Gewalttätigkeit neigt.
Nimm beides zusammen und du hast deine Laura.
Mel _________________ Das Eigentümliche bei Adorno ist, dass man nie recht weiß, was er eigentlich will.
(Hanns Eisler)
Verfasst am: 03.März.07 13:08 Nr: 5960 Titel: Burana an Erde...
Hallo Ihr!
Tut mir Leid, aber mein Lappi hat sich wochenlang geweigert, außer über eMails noch irgendwie mit 'der Welt da draußen' Kontakt aufzunehmen. Jetzt strafe ich ihn mit Nichtbeachtung und internette fremd...
Animus, Du hast es wieder mal geschafft, das Innerste eines Menschen nach außen zu kehren, wie ich das von Dir kenne. Alle Achtung. Schon weil ich so viel Respekt vor Deiner Fähigkeit habe, die dunklen Seiten mancher Seelen plastisch rüber zu bringen, werde ich mir gerne die Mühe machen, Mel's Ruf nachzukommen und Deinen Text genauer anzuschauen.
Ich melde mich wieder, und diesmal schneller.
Liebe Grüße, Burana _________________ Gehe nicht, wohin der Weg führen mag, sondern dorthin, wo kein Weg ist - und hinterlasse eine Spur. Jean Paul
hallo ihr lieben
ich danke euch für die diskusion..
ich schrieb eine geschichte und nicht einen tatsachenbericht, folglich bleibt jedem überlassen wie
er das verhalten von laura und ihrem mann intepretiert. hörigkeit, liebe, kick o.ä.
tatsache bleibt, dass es solche verhaltensweisen unter menschen gibt, welchen ursprungs auch immer und das nicht zu wenig.
als "klischeehaft" würde ich es nicht einstufen.
liebe grüße
animus _________________ Die alten Träume waren gute Träume.
Sie gingen nicht in Erfüllung, aber
ich bin froh sie gehabt zu haben.
Aber gerne doch, animus. Schönen Sonntag und liebe Grüße, Burana _________________ Gehe nicht, wohin der Weg führen mag, sondern dorthin, wo kein Weg ist - und hinterlasse eine Spur. Jean Paul
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