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| Lachzwänge :: neitleits hausapotheke mit riesigen nebenwirkungen I |
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Karl Feldkamp
Alter: 65 Angemeldet seit: 18.07.2008 Beiträge: 58 
Wohnort: Bergisch Gladbach
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Verfasst am: 23.Jul.08 18:09 Nr: 13043 Titel: Globale Orgasmen |
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Wahrscheinlich hat es mit männlichem Größenwahn zu tun, wenn ich mich hier bemühe, einen Zusammenhang zwischen Globalisierung und Orgasmen herzustellen.
Doch bis ich mich zu diesem Zusammenhang äußere, bitte ich die werten Leser noch um etwas Geduld. Verzögerte Orgasmen sind bekanntlich explosiver. Aber um Missverständnissen vorzubeugen, weise ich jetzt schon desillusionierend darauf hin, dass ich vom Orgasmus nur als Metapher Gebrauch machen werde.
Bekanntlich kann auch das menschliche Auge entscheidend zum sinnlichen Genuss beitragen. Und so wendet sich, sobald die Rede auf Globalisierung kommt, der ansonsten verschämt eingeschränkte Blick des Möchte-gern-Weltgewandten automatisch vom einzelnen Menschen ab und wird übergangslos zum allseits anerkannten, ehrenwerten und zugleich gierig grenzenlosen Weitblick, der möglichst weit über den bescheidenen eigenen Horizont hinausreichen soll. Das dadurch umgehend gering geschätzte Individuum nehmen derartige „global players“ allenfalls noch im Bezug zum Wesentlichen, nämlich zum großen Ganzen wahr.
In und unter dem globalen Weitblick wandeln sich staatenübergreifend Kinder zu Konsumenten und zukünftigen möglichst qualifizierten Fachkräften sowie kommenden Einzahlern in Sozialsysteme. Auszubildende Jugendliche bilden Investitionen in die Zukunft, und arbeitende Menschen Humankapital. Gleichzeitig werden die Oberprimaten aber auch zur Bedrohung vorhandener Rohstoffe und Ernährungsquellen. Und die eigentlich überflüssigen Seniorinnen und Senioren entwickeln sich zu pflegeintensiven demografischen Problemen. Funktionen, Funktionen, alles nur noch Funktionen.
Je näher der Orgasmus rückt, desto mehr treiben bekanntlich jene, die ihn anstreben, dem Zustand entgegen, der sie zu reinen Objekten zwecks gegenseitiger Lust werden lässt. Subjekte sind bis zum Absturz aus lüsternen Höhen vor lauter Verschmelzung kurzfristig keine individuellen Persönlichkeiten mehr.
Auch so genannte Führungspersönlichkeiten funktionieren – um auf die Globalisierung zurückzukommen – unter Machtgelüsten und Karrierehöhenpunktsgelüsten in einem Jahr als Leiter deutschen Großbanken und im nächsten als leitender Manager weltweiter Konzerne, in denen Autos, Handys, Haushaltsgeräte oder Psychopharmaka hergestellt werden.
Das Individuum mit seiner überflüssigen, schwer zu beherrschenden Individualität öffnet am besten alle seine Grenzen und stellt – wie ein zu allem bereites Weibchen - sich und seine sinnlosen persönlichen Geheimnisse globaler Nutzbarkeit zur Verfügung. Die allgemeine weltwirtschaftlich notwendige Neugier lässt sich vom einzelnen Menschen ohnehin nicht mehr bremsen. Weltenlenker müssen ins Individuum eindringen, seine Taktiken durchschauen und in die Freiheit seiner Gedanken- und Gefühlswelt vordringen, sie anzapfen und in ihr manipulativ mitdenken und mitfühlen. Nur durchschaubare und leicht zu verführende Konsumenten sind gute Konsumenten. Einsichtige, Einsicht und Einlass gewährende und deswegen von angeblich höchster wirtschaftlicher Vernunft geleitete Weltmitbürgerinnen und -mitbürger stellen sich längst selbstlos globaler wirtschaftsgesellschaftlicher Nutzung und Benutzung zur Verfügung.
Der gemeine Mensch als solcher hat von Natur aus Mühe loszulassen und sich dem Tempo notwendiger Entwicklungen anzupassen. So sollte der „gobal player“ Grenzen zwar offiziell respektieren, aber heimlich ignorieren und überschreiten. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob Ländergrenzen, persönliche äußere und innere oder anders geartete Sperren im Wege stehen. Hindernisse stören und stellen Herausforderungen dar. Gäbe es einen Manager-Katechismus, wäre einer seiner wesentlichen Glaubensfragen: Wie reagiert der begabte Manager, wenn er an Grenzen der Machbarkeit stößt? Und die richtige Antwort würde lauten: Der Sprachschatz des begabten Managers kennt das Wort Grenzen nicht. Er kennt nur Herausforderungen.
Grenzen sind nicht mehr als das angebliche Nein einer Frau, das Männer möglichst unbeeindruckt als Ja interpretieren und nicht vom Versuch abhält, ihrem Orgasmus entgegen zu streben.
Alles, was sich Machtlustinteressen widerstehen will, wird übersehen, überrollt, überlistet, überwunden. Nur so können sich Weltmachtorgasmen einstellen.
Doch der Mensch kann offensichtlich weder Grenzen ertragen noch ohne sie leben.
Grenzen bedeuten Gefangenschaft und Geborgenheit, bedrohen die Freiheit und gewähren Schutz. Umarmungen können liebevoll zärtliche Geborgenheit gewähren oder zu Schwitzkästen werden.
Und die letzte Grenze ist bekanntlich der Tod. Doch der religiöse Glaube verspricht ewiges Leben. Analog dazu kommen während der Orgasmen Wünsche auf, jenes Lusthöhepunktsgefühl möge nie enden, während danach nicht selten Todeswünsche folgen.
Das Wort global, zumeist mit weltweit übersetzt, ist ein schillernder Begriff. Dennoch bezieht sich Globalisierung zunächst nur auf unsere Erde. Und die hat immer noch relativ eindeutige Grenzen, die von Menschen allerdings schon durch Raumfahrt überwunden werden. Beide Begriffe - Welt und Erde – werden allzu gern verwechselt. So reden Menschen von der Welt und meinen eigentlich nur ihre Erde. Allerdings wird im Gegenzug zur Bezeichnung der Welt kaum einmal das Wort Erde verwandt. Menschen mögen ihren orgasmischen Traum vom unbegrenzten und gar ewigen Fliegen eben nicht der irdischen Schwerkraft opfern. Immerhin zieht die Erdkugel ihre vorgeschriebene unendliche Kreisbahn im unendlichen Raum.
Dann ist da noch jene schwangerschaftliche Symbiose zwischen Mutter und Kind, aus der jeder Oberprimat einmal hervorging. Und diese in der Regel neunmonatige unzerrtrennliche Gemeinschaft erinnert der menschliche Körper als paradiesisches Wohlgefühl, das selbst fortpflanzungsunfähige ältere Erwachsene instinktiv und lustbetont immer wieder nach Vereinigung und körperlicher Nähe suchen lässt.
So befindet sich der Mensch ununterbrochen mitten in dem gefühlten Spannungsfeld aus globalen, sozialen und individuellen Sehnsüchten irgendwo zwischen absoluter Freiheit und totaler Geborgenheit.
Nicht umsonst entwickelt sich inzwischen bei aller globalen Schwärmerei gleichzeitig der unstillbare Wunsch nach Heimat.
Jene gegenläufigen Sehnsüchte können selbstredend zu Süchten werden. Und Sucht, so lässt sich wenigstens vermuten, lebt von der trotzig angestrebten Unerreichbarkeit des Allmachts- und Wohlgefühlorgasmusses außerhalb aller menschlichen Reichweiten.
Sicherlich hat es etwas mit meinem männlichen Größenwahn zu tun, wenn ich hier einen Zusammenhang zwischen Globalisierung und Orgasmen herzustellen versuchte.
Im Sanskrit heißt es: Wer vom Herrschaftsrausch befallen ist, erwacht nicht vor seinem Sturz. Zum Glück gibt es außer mir immer noch genügend Menschen mit Höhenängsten, die sich unbeschadet einen Orgasmus zutrauen können. Und mancher Mann schläft auch erst kurz nach dem orgasmischen Absturz ein. _________________ Wir sehen andere nicht, wie sie sind sondern wie wir sind. |
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Der Ohrenschützer

Angemeldet seit: 14.02.2008 Beiträge: 431 
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Verfasst am: 30.Jul.08 13:36 Nr: 13157 Titel: |
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Hallo Karl,
schön Dich auch hier zu lesen.
Einen interessanten Textansatz hast Du da, stilistisch gefällt er mir gar nicht schlecht, wiewohl mir beim Lesen ein bisschen die Puste ausgegangen ist. Immerhin hat mich der Text angeregt, über die Hintergründe Deiner geschilderten Parallele näher nachzudenken: Die Erfüllung eines letztlich egozentrischen Wunsches, der aber des nächsten Glück miteinschließen könnte, kann über verschiedene Wege erreicht werden, wobei einer davon die Vortäuschung falscher Tatsachen (zB Selbstlosigkeit) beinhält...
Ich finde, Dein Text könnte noch gestrafft werden und somit an Spritzigkeit gewinnen. Den Einstieg halte ich für sehr gelungen.
Schöne Grüße, _________________ Der Ohrenschützer |
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Karl Feldkamp
Alter: 65 Angemeldet seit: 18.07.2008 Beiträge: 58 
Wohnort: Bergisch Gladbach
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Verfasst am: 30.Jul.08 13:42 Nr: 13160 Titel: |
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Lieber Ohrenschützer,
danke für deine Reaktion. Ich werde sehen, was ich noch kürzen kann.
Herzlichen Gruß
Karl _________________ Wir sehen andere nicht, wie sie sind sondern wie wir sind. |
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